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Was ist Betriebsdatenerfassung (BDE)? 

Betriebsdatenerfassung (BDE) bezeichnet die systematische Erfassung von Daten aus der laufenden Fertigung – insbesondere Zeiten, Mengen und Status zu Fertigungsaufträgen und einzelnen Arbeitsschritten. Diese Daten werden meist von Mitarbeitenden an einem Terminal oder Endgerät zurückgemeldet und mit den geplanten Werten aus der Produktionsplanung verglichen. SelectLine bietet mit SelectLine BDE eine solche Rückmeldelösung als Bestandteil von SelectLine neo ERP Factory an. 

Wofür wird Betriebsdatenerfassung eingesetzt? 

Ohne Betriebsdatenerfassung liegen einem Unternehmen in der Regel nur die geplanten Werte aus der Fertigungssteuerung vor – wie lange ein Arbeitsschritt dauern sollte, wann ein Auftrag fertig sein sollte. Ob die Realität davon abweicht, zeigt sich häufig erst am Monatsende oder gar nicht, wenn Rückmeldungen auf Papier oder gar nicht erfasst werden. 

BDE schließt diese Lücke, indem Mitarbeitende den Start, die Unterbrechung und das Ende eines Arbeitsschritts sowie den Status eines Fertigungsauftrags direkt im System zurückmelden. Daraus entstehen Ist-Daten, die sich den ursprünglichen Planwerten gegenüberstellen lassen. Das betrifft vor allem drei Informationsarten:
Zeiten: tatsächlicher Beginn und tatsächliches Ende eines Arbeitsschritts 
Status: ob ein Arbeitsschritt oder Fertigungsauftrag begonnen, unterbrochen, abgeschlossen ist 
Mengen: produzierte Stückzahlen je Arbeitsschritt oder Auftrag 

Für wen ist Betriebsdatenerfassung relevant? 

Betriebsdatenerfassung ist vor allem für fertigende Unternehmen relevant, die Fertigungsaufträge mit mehreren Arbeitsschritten planen und deren tatsächlichen Verlauf nachvollziehen wollen.

Typische Rollen, die mit BDE-Daten arbeiten, sind Fertigungsleitung und Arbeitsvorbereitung (Soll-Ist-Vergleich der Auftragsdurchlaufzeiten), Produktionsplanung (Grundlage für realistischere künftige Terminierung) sowie Controlling und Geschäftsführung (Transparenz über die tatsächliche Auslastung). 

Für Unternehmen ohne mehrstufige Fertigungsaufträge – etwa reine Handelsunternehmen – ist BDE in der hier beschriebenen Form nicht relevant. 

Abgrenzung: Was BDE nicht ist 

Der Begriff BDE wird häufig mit verwandten, aber fachlich unterschiedlichen Konzepten vermischt. Diese Abgrenzung ist wichtig, um realistische Erwartungen an eine BDE-Lösung zu haben:
BDE ist kein MES (Manufacturing Execution System). Ein MES übernimmt in der Regel zusätzlich Aufgaben wie Feinplanung im Sekunden- oder Minutentakt, direkte Maschinensteuerung oder Qualitätsmanagement auf Prozessebene. BDE-Systeme wie SelectLine BDE beschränken sich auf die Rückmeldung von Zeiten, Status und Mengen durch Mitarbeitende an Fertigungsaufträgen und Arbeitsschritten. 
BDE ist nicht dasselbe wie Maschinendatenerfassung. Maschinendatenerfassung bezeichnet die automatische, meist sensorgestützte Erfassung von Daten direkt aus Maschinen oder Anlagen (z. B. Betriebszustände, Stückzahlen aus Zählwerken) ohne manuelle Eingabe. BDE im hier beschriebenen Sinn basiert dagegen auf Rückmeldungen durch Mitarbeitende an einem Terminal. 
Begriffshinweis zu „MDE”: Die Abkürzung „MDE” wird in der Praxis uneinheitlich verwendet – teils für „Maschinendatenerfassung”, teils für „Mobile Datenerfassung” (mobile Erfassung von Geschäftsvorfällen per Handscanner, etwa im Lager). Bei SelectLine bezeichnet MDE die mobile Datenerfassung für Lagerprozesse wie Wareneingang, Warenausgang und Inventur – nicht die automatische Erfassung von Maschinendaten. Wer nach „MDE” für die Fertigung sucht, sollte diesen Unterschied prüfen, bevor er Anbieter vergleicht. 
Eine ausführlichere Gegenüberstellung von BDE, MDE und MES folgt in einem eigenen Vergleichsbeitrag.

Wie funktioniert Betriebsdatenerfassung in der Praxis? 

In einer typischen BDE-Lösung melden sich Mitarbeitende an einem Terminal, PC oder mobilen Endgerät an – etwa per Benutzername und Passwort, Barcode oder RFID-Chip – und wählen den Fertigungsauftrag beziehungsweise Arbeitsschritt aus,  an dem sie gerade arbeiten. Beim Start und Ende der Tätigkeit erfolgt jeweils eine Rückmeldung,  sodass die tatsächliche Bearbeitungszeit erfasst wird. Je nach Konfiguration lassen sich zusätzlich Mengen, Qualitätsrückmeldungen oder  Fotodokumentationen zu einem Arbeitsschritt hinterlegen. 

SelectLine BDE im Rahmen von SelectLine neo ERP Factory 

SelectLine BDE ist Teil der SelectLine Mobile-Anwendungen von SelectLine, die gemeinsam mit SelectLine Mobile, SelectLine MDE und der SelectLine API in einem Setup ausgeliefert werden, und ist Bestandteil von SelectLine neo ERP Factory. Mitarbeitende melden sich als eigens angelegte BDE-Benutzer an – wahlweise klassisch mit Benutzername und Passwort  oder über einen Barcode/RFID-Chip zur schnelleren Anmeldung am Terminal. Jeder BDE-Benutzer ist dabei sinnvoller Weise einem  Mitarbeiter aus dem Mitarbeiterstamm der SelectLine Warenwirtschaft zugeordnet. 
Die BDE ist über eine Konfigurationsdatei anpassbar. Belegt sind unter anderem folgende konfigurierbare Funktionen:
Anzeige der geplanten Fertigungsaufträge am Terminal 
Filterung der angezeigten Arbeitsschritte nach Kompetenzgruppen der Mitarbeitenden 
Seriennummernverfolgung 
Speicherung von Fotoaufnahmen als Journaleintrag im Fertigungsauftrag 
eine Qualitätsrückmeldung („qmBericht”) 
Diese Rückmeldedaten fließen in die SelectLine Produktionssteuerung ein, in der Aufträge grafisch geplant werden (siehe Abschnitt „Abgrenzung”). Eine automatische Anbindung an Maschinen, Sensoren oder eine Echtzeit-Maschinenkommunikation ist aktuell nicht implementiert. 

Warum Betriebsdatenerfassung für mittelständische
Fertigungsunternehmen relevant wird

Der Bedarf an BDE entsteht typischerweise nicht schlagartig, sondern mit wachsender Auftragszahl und Mitarbeiterzahl: Je mehr Fertigungsaufträge gleichzeitig laufen, desto schwerer lässt sich ohne strukturierte Rückmeldung nachvollziehen, wo ein Auftrag gerade steht und ob geplante Termine realistisch bleiben. Zu welchem Zeitpunkt sich die Einführung einer BDE-Lösung konkret lohnt, hängt von der Auftragsstruktur, der Mitarbeiterzahl und den bisherigen Prozesskosten ab. 

BDE – Ein Prozessbeispiel 

Der folgende End-to-End-Prozess zeigt, an welcher Stelle Betriebsdatenerfassung im Ablauf eines Fertigungsunternehmens ansetzt: 
Kundenauftrag → Der Kunde bestellt ein Produkt; der Auftrag wird in der Warenwirtschaft erfasst. 

Materialbedarf → Anhand der benötigten Stückliste wird ermittelt, welche Materialien für die Fertigung vorhanden sein müssen. 

Fertigungsauftrag → Aus dem Kundenauftrag wird ein Fertigungsauftrag erzeugt, der auf einer Fertigungsliste beziehungsweise einem Arbeitsplan basiert. 

Stückliste → Sie legt fest, welche Materialien (Verbrauchsartikel) und welches Ergebnisprodukt zum Auftrag gehören. 

Arbeitsgänge/Arbeitsschritte → Der Arbeitsplan gliedert die Fertigung in einzelne Arbeitsschritte mit geplanten Zeiten,  benötigten Betriebsmitteln und Kompetenzgruppen der Mitarbeitenden. 

Fertigung → Die Arbeitsschritte werden gemäß der grafischen Planung, der sogenannten Produktionssteuerung, tatsächlich ausgeführt. 

BDE/Rückmeldung → Mitarbeitende melden Start, Ende und Status jedes Arbeitsschritts über SelectLine BDE zurück; hier entstehen die Ist-Daten, die diesen Beitrag thematisieren. 

Fertigmeldung → Sind alle Arbeitsschritte eines Auftrags abgeschlossen, gilt der Fertigungsauftrag als fertiggemeldet. 

Nachkalkulation → Im Anschluss werden die während der Fertigung erfassten Ist-Werte den ursprünglichen Planwerten gegenübergestellt. Belegt ist bei SelectLine eine Fertigungskostenberechnung aus Material- und Fertigungskosten auf Planzeit-Basis. Die Kalkulation des Fertigungsauftrages wird bei Abschluß automatisch an die Ist-Werte angepasst. Die Ist-Werte können je nach Bedarf in den auslösenden Auftrag übernommen werden. 

Auswertung → Die gesammelten Daten stehen für Controlling und Produktionsplanung zur Verfügung, etwa zur Beurteilung von Auslastung und Terminzuverlässigkeit. 

Ein integriertes ERP-System bietet an dieser Kette den Vorteil, dass jeder Schritt auf denselben Auftrags- und Artikeldaten aufbaut: Der Fertigungsauftrag, die Stückliste und die BDE-Rückmeldung beziehen sich auf dieselbe Datenbasis, statt dass  Zwischenschritte manuell zwischen getrennten Programmen übertragen werden müssen.

BDE – Ein Praxisbeispiel 

Ausgangssituation: Ein mittelständischer Metallverarbeitungsbetrieb mit mehreren parallel laufenden Fertigungsaufträgen erfasst Arbeitszeiten und Auftragsstatus bislang auf Laufzetteln aus Papier, die am Ende der Schicht in die Buchhaltung beziehungsweise Auftragsverwaltung übertragen werden. 

Problem: Die Übertragung vom Papier ins System erfolgt zeitversetzt, teils erst am nächsten Tag. Dadurch weiß die Produktionsplanung häufig nicht, wo ein laufender Auftrag gerade tatsächlich steht, und Rückfragen von Kunden zum Liefertermin lassen sich nur mit Verzögerung beantworten. 

Bisheriger Prozess: Papierlaufzettel je Fertigungsauftrag, manuelle Übertragung der Zeiten am Ende der Schicht, keine laufende Statusübersicht. 

Gewünschter digitaler Prozess: Mitarbeitende melden Start und Ende jedes Arbeitsschritts direkt an einem Terminal in der Fertigungshalle zurück, sodass der aktuelle Status jedes Auftrags jederzeit einsehbar ist. 

Relevante ERP-/Factory-Funktionen: Fertigungsauftrag mit Arbeitsschritten aus der SelectLine Produktionsplanung, Terminal-Anmeldung und Rückmeldung über SelectLine BDE, Anzeige der Ist-Werte in der SelectLine Produktionssteuerung. 

Mögliche Umsetzung mit SelectLine neo ERP Factory: Die Mitarbeitenden melden sich per Barcode oder RFID-Chip an einem BDE-Terminal an, wählen den zugewiesenen Fertigungsauftrag beziehungsweise Arbeitsschritt aus und bestätigen Start und Ende der Bearbeitung. Die Rückmeldungen stehen anschließend in der Produktionssteuerung zur Verfügung und lassen sich dort  mit den ursprünglichen Planzeiten vergleichen. 

Nutzen: Der Status laufender Aufträge ist ohne manuelle Übertragung tagesaktuell verfügbar, und die Zeit zwischen tatsächlicher Rückmeldung und Sichtbarkeit im System verkürzt sich gegenüber der papierbasierten Erfassung. Eine konkrete Zeit-oder Kostenersparnis ist unternehmensindividuell. 

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